Nachrichten aus den Gemeinden St. Michael, Pinneberg, und Herz Jesu, Halstenbek

Gemeindebrief »miteinander unterwegs«


November 2018

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Erfülltes Leben, lebendiges Leben, sinnvolles Leben – wie geht das?


Leben, bei dem Sie spüren: So ist es richtig. So lohnt es sich. So passt es zu mir. So passt es zu meinen Fragen, die durch keine Antwort völlig erledigt sind. So passt es zu meiner Sehnsucht, die ich mit 18 habe und auch noch mit 80.
Gibt es so ein pralles Leben für mich? Egal, wie alt ich bin? Egal, wie viel Geld ich habe? Egal, wie viele Bekannte ich habe? Gott schaut auf uns! Gott schaut auf uns und unsere Gemeinschaft! Gott schaut alle Menschen an! Er sieht das Gute, das Schöne, aber auch Dinge, die grau und hässlich sind; er sieht das Mühen und die guten Ergebnisse der Menschen, aber auch die missglückten Versuche. Er sieht auf die, die ermüdet und ermattet sind auf ihrem Weg, ihrer Berufung treu zu bleiben, aber er sieht auch auf die, die sich täglich Sorgen machen um das lebendige, der Zeit entsprechende Zeugnis ihrer Berufung.
Gott schaut auf uns! Er möchte, dass wir die Welt mit seinen Augen sehen, damit wir – so wie er am Anfang der Schöpfung – sagen können: Es ist gut! Aber leider ist unsere Sichtweise oft eine andere. Wir schauen bestimmte Dinge, bestimmte Menschen immer durch bestimmte Brillen an, jeweils der Situation angepasst. Eine Brille verändert die Sichtweise. Sie kann etwas oder jemand klar und deutlich erscheinen lassen, aber auch verschleiern. Und manches wollen wir vielleicht auch gar nicht sehen?!
Das Komplizierte an dieser Sache ist aber, dass wir Menschen keine Einheitsbrillen tragen, sondern dass es eine ungeheure Vielfalt von Sichtweisen gibt. Und eine davon ist die Sichtweise des Glaubens. Der gläubige Mensch sieht die Welt anders; er begreift sich in der Hand seines Schöpfers. Er weiß, dass Gott ihn anschaut. Gottes Auge ist aber kein Überwachungsauge, das sofort unsere Straftaten meldet, sondern es sind wachsame und schützende Augen, wie von liebenden Eltern, die sich um ihre Kinder sorgen.
Diesem sich sorgenden Gott dürfen wir uns anvertrauen. Mit Gott an unserer Seite werden wir begeisterte und begeisternde Menschen sein, werden wir unser Haus des Lebens bauen. Ob wir wohl so wachsam und aufmerksam sind. Haben wir die richtige Brille auf, um zu erkennen, was Gott uns heute und hier für Möglichkeiten schenkt, unser Lebenshaus zu bauen, Sinnerfülltes, zu uns passendes Leben zu finden?
Der Möglichkeiten der Begegnung mit dem auferstandenen Herrn sind viele: ob wir die Zeit in persönlichen Gebet und Stille nutzen, ob wir ihm begegnen in den Sakramenten, die wir empfangen, ob wir in den Begegnungen untereinander erfahren, dass er gegenwärtig ist, ob wir ihn in den Worten der Heiligen Schrift, die wir lesen und hören, erkennen, ob wir uns einfach von ihm berühren lassen. Sinnvolles Leben – ja, es gibt es für mich. Ich darf nur nicht ständig durch meine eigne Brille sehen, sondern darf mir Gottes Sichtweise schenken lassen.


Stefan Langer, Pfarrer


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